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Anwendung

Kleben & Dosieren

Präzises Auftragen von Klebstoffen, Silikon, Vergussmassen, Wärmeleitpaste — mit ±0,5 mm Bahngenauigkeit und 15–30 % Materialersparnis.

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Kleben oder Dosieren — was ist der Unterschied?

Beide Anwendungen nutzen dieselbe Zellen-Technik: ein Roboter führt einen Dosierkopf entlang einer programmierten Bahn und trägt exakt definierte Materialmengen auf. Der Unterschied liegt im Zweck:

Kleben — der Materialauftrag verbindet zwei Bauteile miteinander. Struktur-, Konstruktions- oder Montageklebstoffe, oft als 2-Komponenten-System (2K-Epoxid, 2K-Polyurethan, MS-Polymer). Beispiele: Karosseriekleben, Windschutzscheiben-Verklebung, elektronische Baugruppen, Leichtbau-Verbunde.
Dosieren — der Materialauftrag hat andere Funktionen: Abdichten, Vergießen, Schmieren, Wärmeleitung. Meist 1-Komponenten-Materialien (Silikon, Fett, Öl, Wärmeleitpaste) oder 2K-Vergussmassen. Beispiele: Silikondichtung an Gehäusen, Vergießen elektronischer Steuergeräte, Fett-Dosierung in Getrieben, Wärmeleitpaste auf Kühlkörpern.

In beiden Fällen kontrolliert der Roboter vier kritische Parameter gleichzeitig: Bahngeometrie, Auftragsgeschwindigkeit, Dosierdruck bzw. Volumenstrom, Start- und Endpunkt.

Warum automatisieren?

  • Präzision: Bahngenauigkeit ± 0,5 mm — im manuellen Betrieb kaum zu erreichen und schon gar nicht dauerhaft.
  • Materialersparnis: Manueller Auftrag ist konservativ überdimensioniert. Robotische Dosierung reduziert Materialverbrauch um typisch 15–30 %. Bei einer Produktionslinie sind das 8.000–20.000 € Materialkosten pro Jahr, die eingespart werden.
  • Konstanz: Kein Ermüdungseffekt, keine Schichtunterschiede, keine Bediener-abhängige Streuung in Naht- oder Punktqualität.
  • Ergonomie: Materialien enthalten oft Isocyanate, Lösemittel oder atemreizende Bestandteile — der Roboter hat kein Gesundheitsrisiko.
  • Dokumentation: Jede Charge, jede Naht, jeder Verbrauch elektronisch protokolliert. Grundlage für Rückverfolgbarkeit in Automotive, Medical und Pharma.

Materialtypen und ihre Anforderungen

  • 1K-Materialien — vorgefertigte Kartuschen oder Fässer. Einfachste Zell-Konfiguration, kein Mischer nötig. Für Silikone, Fette, Wärmeleitpaste, Cyanacrylat.
  • 2K-Materialien (Kleben + Vergießen) — Kleber und Härter werden über ein Meter-Mix-Dispense-System (MMD) im richtigen Verhältnis gemischt. Statischer Mischer am Dosierkopf. Nach dem Mischen begrenzte Verarbeitungszeit — Zellen-Design muss dem gerecht werden (Nadelspülung, Purge-Zyklen).
  • Hot-Melt — geschmolzene Klebstoffe (Heißkleber). Beheizte Materialversorgung, isolierter Schlauch, beheizter Dosierkopf.
  • Niedrigviskose vs. hochviskose Materialien — bestimmt Pumpentyp (Zahnrad-, Kolben-, Zeit-Druck-Dosierung) und Nadelquerschnitt.

Cobot oder Industrieroboter — zwei Varianten

Die Wahl fällt an Losgröße, Werkstückgröße und Taktrate:

1. Cobot-Dosierzelle — für kleine bis mittlere Werkstücke, hohe Variantenzahl, präzise 3D-Bahnen. Kollaborativer Betrieb möglich (Bediener kann parallel Werkstücke laden). Amortisation typisch <12 Monate bei ausgeprägtem Materialverbrauch.
Roboter-Auswahl: Universal Robots, FANUC CRX, JAKA, Doosan, Techman, NEXOS.Nova — je nach Reichweite, Payload (Dosierkopf 2–10 kg) und Kundenpräferenz.
2. Industrieroboter- oder Portal-Zelle — für große Werkstücke (Karosseriekleben, Windschutzscheibe), hohe Taktraten, lange Nähte. NEXOS.Motion-Portal mit Industrieroboter für Werkstücke >1 m Kantenlänge. Sicherheitseinhausung mit Lichtvorhang. Amortisation im Serienbetrieb typisch 1,5–3 Jahre.
Roboter-Auswahl: FANUC, KUKA, ABB, Yaskawa — je nach Bestandsintegration und Kundenpräferenz.

Typische Anwendungen — Kleben

  • Karosseriekleben und Strukturverbindung im Automotive-Bereich
  • Windschutzscheiben- und Glaskleben
  • Elektronische Baugruppen: Displays, Kameramodule, Sensor-Assemblies
  • Leichtbau: CFK/GFK-Verbunde in Luftfahrt, Sport, Mobilität
  • Möbel- und Holzverklebung (Kantenanleimen, Furnierverklebung)
  • Medizinprodukt-Assembly (Katheter, Einwegprodukte)

Typische Anwendungen — Dosieren

  • Silikondichtungen an Gehäusen, Elektronik-Enclosures, Automotive-Sensoren
  • Vergießen (Potting) von Steuergeräten, Sensoren, LED-Modulen
  • Wärmeleitpaste-Auftrag auf Kühlkörper und Leistungselektronik
  • Fett- und Öl-Dosierung in Getriebe- und Lagerfertigung
  • Sound-Deadening in der Automobil-Karosserie
  • Nahtabdichtung nach Schweißen (Automotive Underbody Coating)

Die NEXOS-Konfiguration

  • Roboter — Cobot oder Industrieroboter je nach Variante (siehe oben).
  • Dosiersystem — Zahnrad-, Kolben- oder Zeit-Druck-Dosierpumpe je nach Viskosität und Genauigkeitsanforderung. Für 2K: Meter-Mix-Dispense-Einheit mit statischem Mischer. Renommierte Marken: Nordson, Graco, Vieweg, Preeflow, ViscoTec, Sulzer Mixpac.
  • Dosierkopf mit Ventil und wechselbarer Nadel. Bei 2K: statischer Mischer als Verbrauchsteil.
  • Materialversorgung — Kartuschen, Fässer, Drucktanks; beheizt bei Hot-Melt.
  • NEXOS.Cube als Zellenrahmen. In der Edelstahl-Variante für hygienesensible Anwendungen (Medical, Pharma, Lebensmittel).
  • Werkstückaufnahme — modulare Lochplatte, Vakuumaufspannung oder kundenspezifische Vorrichtung.
  • Nadelreinigungsstation und Purge-Station — für unterbrechungsfreien Betrieb bei 2K-Materialien.
  • Absaugung bei lösemittelhaltigen Materialien.
  • Optional: NEXOS.LinDrive als 7. Achse — für lange Nähte oder zwei parallele Werkstückstationen.

Ablauf einer typischen Zelle

  1. Werkstück einlegen und fixieren (Bediener oder Roboterhandling)
  2. Zyklus-Start, Roboter fährt Startpunkt an
  3. Bei 2K: Purge-Zyklus über statischen Mischer, verwerfen der ersten Menge (Materialverhältnis prüfen)
  4. Dosieren — Roboter fährt Bahn ab, Dosierventil öffnet punktgenau, Volumenstrom nach Programm
  5. Bahnende: Ventil sauber schließen (Nachtropfen verhindern), Roboter fährt in Warteposition
  6. Nadelreinigung bei anstehendem Materialwechsel oder Standzeit
  7. Werkstück entnehmen, Aushärte-Prozess folgt (oft außerhalb der Zelle)
  8. Auftrags-Bestätigung mit Zeitstempel und Material-Chargennummer

Warum sich das rechnet

Marktdaten (2026) für Dosier-/Klebe-Zellen:

  • Cobot-Zelle: Investition 60.000–140.000 € (Roboter + Dosiersystem + Zelle). Amortisation typisch <12 Monate, oft schon nach 6–9 Monaten durch reine Materialersparnis.
  • Industrieroboter-Zelle: Investition 150.000–400.000 €. Amortisation 1,5–3 Jahre im Serienbetrieb.
  • Materialersparnis: 15–30 % weniger Verbrauch = 8.000–20.000 € pro Jahr pro Linie (je nach Materialkosten).
  • Ausschussreduktion: gleichmäßiger Auftrag → weniger fehlerhafte Bauteile, weniger Nacharbeit, weniger Kundenreklamationen.
  • Marktwachstum: Segment Robotic Dispensing wächst von 11,6 Mrd USD (2023) auf 19,6 Mrd USD (2033) — starker Adoptions-Trend.

Skalierbarkeit

  • Stufe 1 — Einzelne Cobot-Zelle mit 1K-Dosierung und Kartuschenwechsel
  • Stufe 2 — 2K-Ausbau mit MMD-System und Purge-Station
  • Stufe 3 — 2 Werkstückstationen parallel oder rotierend
  • Stufe 4 — Vision und adaptive Bahnverfolgung für Werkstücke mit Fertigungstoleranzen
  • Stufe 5 — Vernetzung mit NEXOS.DSP für Materialverbrauch-Monitoring, Chargenrückverfolgung, Ausfallvorhersage der Dosierpumpe

Erweiterungsoptionen

  • Vision-System zur Bahn-Korrektur — Kamera scannt Werkstücktoleranzen, Bahn wird dynamisch angepasst
  • Bead Inspection — nachgeschaltete Kamera prüft Naht auf Unterbrechung, Höhe, Breite; NOK-Teile werden automatisch aussortiert
  • Wiegeplatte für stichprobenartige Volumenprüfung des Auftrags
  • Automatische Nadelreinigung und Nadelwechsel — sekundengenaue Reinigung, längere Standzeit
  • Digitaler Zwilling über NEXOS.XR — Testen neuer Werkstücke virtuell, Kollisionsprüfung, Programmierung ohne Anlagenstillstand

Wichtige Auslegungsparameter

  • Material: 1K oder 2K, Viskosität (mPa·s), Topfzeit bei 2K
  • Auftragsart: Naht, Punkt, Flächenauftrag; Nahtquerschnitt oder Volumen pro Punkt
  • Werkstückgeometrie: 2D flach oder 3D-Kontur; entscheidet über Cobot vs. Portal
  • Taktrate in Werkstücken/Stunde und Anzahl paralleler Werkstückstationen
  • Sauberkeitsanforderung — Cleanroom für Medical/Pharma; ATEX bei lösemittelhaltigen Klebstoffen
  • Bestehende Materiallieferung — Kartusche, Fass, Zentraldosierung
  • Aushärte-Prozess — bei Raumtemperatur, im Ofen, mit UV; folgt der Dosierzelle

Sicherheit & Umwelt

  • Lösemittelhaltige Klebstoffe — Absaugung, ATEX-Zone-Prüfung, ggf. explosionsgeschützte Ausführung
  • Isocyanate (2K-PU) — Hautkontakt vermeiden, Absaugung nach TRGS 430
  • Reinigungsmittel — meist lösemittelhaltig, in geschlossenem Kreislauf oder mit Auffangwanne
  • Materialentsorgung — 2K-Reste (aus Purge und Mischer) sind Sondermüll, Ausschleusung in Auffangbehälter

Bausteine

  • Cobot (UR, FANUC CRX, JAKA, Doosan, Techman, NEXOS.Nova) oder Industrieroboter im NEXOS.Motion-Portal
  • NEXOS.Cube als Zellenrahmen (Standard oder Edelstahl)
  • Dosiersystem (1K oder 2K-MMD) — Nordson, Graco, ViscoTec, Vieweg, Sulzer Mixpac
  • Dosierkopf mit wechselbarem Ventil und Nadel
  • Materialversorgung (Kartuschen, Fässer, Drucktanks; beheizt bei Hot-Melt)
  • Nadelreinigungs- und Purge-Station
  • Werkstück-Aufnahme (Lochplatte, Vakuum, kundenspez.)
  • Optional: NEXOS.LinDrive als 7. Achse, Vision-System, Wiegeplatte, Bead Inspection
Diese Anwendung ist ein Standardkonzept. Detaillierte Auslegung und Angebot erfolgen individuell — wir bauen aus unseren Bausteinen genau die Konfiguration, die zu deiner Anwendung passt.
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