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Sortieren & Bin-Picking

AI-Vision-basiertes Greifen aus ungeordneten Behältern und Sortier-Anwendungen — mit modernen 3D-Kameras und ML-Modellen. Zuführungs-Ersatz für flexible Kleinserien.

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Was ist Bin-Picking?

Bin-Picking — das gezielte Greifen einzelner Werkstücke aus einem ungeordneten Behälter (KLT, Gitterbox, Karton) — ist die technisch anspruchsvollste Handhabungs-Aufgabe im industriellen Assembly. Werkstücke liegen chaotisch, überlappen sich, verhaken, sind teils halb verdeckt. Der Roboter muss erkennen: welches Teil kann ich als nächstes greifen, ohne Nachbarn zu beschädigen und ohne die Kiste zu berühren?

Vor 2020 war das mit klassischer 2D-Vision praktisch nicht lösbar. Erst mit dem breiten Durchbruch von Deep Learning für 3D-Punktwolken und der Verfügbarkeit robuster industrieller 3D-Sensoren wurde Bin-Picking wirtschaftlich einsetzbar. Heute (2026) ist es eine produktive Standard-Anwendung — für Elektronik-Zuführung, Verpackung, Kommissionierung, Recycling und viele mehr.

Der wirtschaftliche Vorteil: Bin-Picking macht klassische Zuführsysteme überflüssig. Statt Vibrationstöpfen, Schwing-Förderern oder aufwändig gefertigten Trays kann der Roboter direkt aus dem Anliefer-KLT greifen. Das spart Investition, Platz und macht Bauteilwechsel um Größenordnungen schneller.

Prinzip der Bin-Picking-Zelle

  1. 3D-Aufnahme — die Kamera erfasst die aktuelle Szene als Punktwolke. Je nach System 1–5 Sekunden Aufnahmezeit.
  2. Objekterkennung — die Software identifiziert einzelne Werkstücke (Instance Segmentation) und ihre Lage im Raum (6DoF: X/Y/Z + Rotation).
  3. Greif-Auswahl — der Algorithmus berechnet den besten Greifpunkt: welches Teil liegt am günstigsten, wo passt der Greifer, gibt es Kollisionen mit anderen Teilen oder Kistenrändern?
  4. Bahn-Planung — der Roboter plant seine Bewegung so, dass Greifer und Werkstück den Behälter nicht berühren.
  5. Greifen und Ablegen — Roboter greift, führt das Teil zur Ablegestation oder direkt in die Folge-Bearbeitung.

Bei modernen Systemen läuft dieser Zyklus in unter 5 Sekunden. Für die meisten Anwendungen reichen 4–8 Sekunden pro Teil, kritische Zellen erreichen unter 3 Sekunden.

3D-Sensor-Technologien

  • Strukturiertes Licht (Photoneo PhoXi, Zivid) — projiziert Musterlicht, misst Verformung. Sehr präzise, robust im Nahbereich (bis 2 m), oft blaues Licht für Kontrast auf metallischen Teilen.
  • Stereo-Vision (Roboception rc_visard, Basler blaze) — zwei Kameras berechnen Tiefe. Passiv (kein Projektor), günstiger, aber empfindlicher bei uniformen Flächen.
  • Laser-Triangulation (SICK Ruler, LMI Gocator) — sehr präzise (0.01 mm), aber langsamer Scan. Für hochpräzise Kleinteile.
  • Time-of-Flight (ToF) — schnell, große Reichweite, aber geringere Auflösung. Eher für grobe Palettier-Aufgaben.

Sortier-Anwendungen (nicht nur aus KLT)

Das gleiche Prinzip lässt sich auf Sortier-Aufgaben übertragen — Objekte werden nicht aus einer Kiste gegriffen, sondern von einem Förderband kommend nach Merkmalen sortiert:

  • Recycling und Wertstoff-Trennung — nach Material, Farbe, Größe. AI-Vision erkennt auch stark beschädigte Teile.
  • Logistik und Kommissionierung — Pakete sortieren nach Zielrampe. Etikettenlesen und Volumenmessung parallel.
  • Landwirtschaft und Lebensmittel — Obst/Gemüse nach Reifegrad, Größe, Qualität sortieren.
  • Rücknahme-/Retouren-Prozesse — E-Commerce-Retouren automatisch klassifizieren und rücksortieren.

Greif-Konzepte

Der Greifer entscheidet oft mehr über den Erfolg als die Vision. Standard-Optionen:

  • Vakuum-Sauger (Einzel- oder Multi-Sauger) — für ebene Flächen, Kartons, Blister. Schnell, günstig, aber empfindlich gegenüber Öl und Verschmutzung.
  • Parallelgreifer (2-Finger) — für Standard-Werkstücke mit klaren Greifgeometrien. Robust.
  • 3-Finger-adaptiv (Robotiq 3F, Schunk EGP-C) — passt sich der Werkstück-Geometrie an, für unregelmäßige Formen.
  • Magnetgreifer — für ferromagnetische Teile, unempfindlich gegenüber Öl.
  • Soft-Gripper (Silikon-Finger, Fin-Ray) — für empfindliche oder unregelmäßige Teile (Lebensmittel, Kunststoff-Formteile).

Für flexible Anwendungen kommen zunehmend Werkzeugwechsler zum Einsatz — der Roboter tauscht je nach Bauteil den passenden Greifer.

Typische Anwendungen

  • Elektronik-Montage — Bauteile aus Trays oder KLT direkt an Montageline (Steckverbinder, Schrauben, Gehäuse-Teile).
  • Konsumgüter-Verpackung — Produkte aus KLT in Blister- oder Kartonverpackung.
  • Automotive Zuführung — Kleinteile-Bereitstellung an Montagelinien ohne aufwändige Vibrationstöpfe.
  • Life Science & Pharma — Fläschchen aus Ladeträgern picken (mit Vakuum-Sauger, Vorsicht bei Zerbrechlichkeit).
  • Recycling — automatisierte Wertstoff-Sortierung an Förderbändern (PET, PP, Metalle).
  • Logistik / Kommissionierung — Ware für Bestellungen aus Regalen picken (Order Picking, klassisch der schwierigste Case wegen extremer Teile-Vielfalt).

Häufige Herausforderungen

  • Spiegelnde und transparente Teile — für 3D-Sensoren schwer zu erfassen. Mattierungsspray, Polarisationsfilter oder spezielle Sensoren nötig. Für Glas und Hochglanz-Metall aktuell noch schwierig.
  • Umgebungslicht — bei strukturiertem Licht muss Fremdlicht kontrolliert werden. Zellenabsicherung ist auch Lichtabsicherung.
  • Verklemmte oder überlappende Teile — der letzte Rest im Behälter ist oft der schwierigste. Rüttler oder Kippstation können helfen, aber Zielerreichungsrate 100% ist selten wirtschaftlich.
  • Zykluszeit — für Hochtakt-Anwendungen (unter 3 Sekunden pro Pick) reicht Bin-Picking oft nicht — dann ist klassische Zuführung schneller. Bin-Picking spielt seine Stärke bei mittlerer Taktrate und hoher Variantenvielfalt aus.
  • Teile-Vielfalt und Umrüstung — CAD-Matching braucht CAD-Daten. Deep-Learning-Systeme brauchen Trainingsbilder — je nach Anbieter zwischen 10 und 500 Beispielen. Umrüstung dauert Stunden statt Tage (im Vergleich zu klassischen Zuführungen), aber ist nicht ganz null.
  • Ausschuss und Fehlgriff-Rate — 0,5–2 % Fehlgriffe sind Standard. Zelle braucht Behandlung für Fehlgriffe (Ausschuss-Rutsche, erneuter Versuch, Alarm).

Bausteine

  • Cobot (UR, FANUC CRX, JAKA, NEXOS.Nova) oder Industrieroboter mit hoher Bahn-Flexibilität
  • 3D-Kamera oder strukturierter-Licht-Sensor (Photoneo PhoXi, Zivid, Roboception, SICK PLB, Cognex 3D-A5000)
  • AI-/CAD-Matching-Software (Pick-it, MVTec HALCON, herstellerintegriert oder Open Source)
  • Adaptiver Greifer: Vakuum, 2-/3-Finger-Zange, magnetisch, Soft-Gripper (Robotiq, Schunk, OnRobot, Piab)
  • Kollisionsplanung mit Kisten-/Karton-Modell — der Roboter darf den Behälter nicht berühren
  • Definierte Beleuchtung (Umgebungslicht-Kontrolle, Polarisationsfilter für spiegelnde Teile)
  • Auslegestation oder direkte Folge-Bearbeitung (Ordnung nach dem Pick)
  • NEXOS.Cube als Zelle mit Kamera-Halterung und Absicherung
  • Optional NEXOS.DSP für Pick-Rate-Kennzahlen und ERP/MES-Auftragsdaten
Diese Anwendung ist ein Standardkonzept. Detaillierte Auslegung und Angebot erfolgen individuell — wir bauen aus unseren Bausteinen genau die Konfiguration, die zu deiner Anwendung passt.
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